DAS MENSCHENRECHTSDENKMAL

ist ein Geschenk von engagierten Citoyennes und Citoyens an die Öffentlichkeit. Ein Stück Schweizer und Internationale Geschichte der Menschenrechte. Ein Denkmal für die Aufklärung. Das Dreieck ist laut Lichtenberg als Zeichen des Feuers Symbol der Aufklärung, Lumière und wurde zur inspirierenden Quelle für die Gestaltung des Denkmals. Die Trinität Liberté, Egalité und Paix (Fraternité) der Französischen Revolution aufnehmend, weist das Denkmal einen fast gleichseitig dreieckigen Grundriss von je 5 Meter Seitenlänge und 2.6 Meter Höhe auf. Auf den Aussenwänden sind wie Wandzeitungen auf 12 Tafeln die VIRGINA BILL OF RIGHTS von George Mason 1776,  LA DÉCLARATION DES DROITS DE L'HOMME ET DU CITOYEN Paris 1789, die DÉCLARATION DES DROITS DE LA FEMME ET DE LA CITOYENNE von Olympe de Gouges, Paris 1791 und die UNIVERSAL DECLARATION OF HUMAN RIGHTS der UNO von 1948 jeweils in ihrer Originalsprache und in deutscher Übersetzung graviert, auf einer Tafel wird der historische und lokale Kontext des Denkmals am Standort erklärt, diese Tafel wäre z.B. für den Standort Aarau freigehalten. Auf einer weiteren Tafel sind Unterschriften der Stifterinnen und Stifter graviert (bis jetzt etwa 400 Unterschriften) mit reserviertem Platz für weitere Unterschriften. Eine Seite des Dreiecks ist einen Spalt geöffnet und erlaubt einen Blick in den perspektivisch verkürzten Innenraum, in die Schreibstube der Aufklärung. Durch eine ebenfalls dreieckige Öffnung in der Decke fällt Licht in den Raum, zu sehen sind ein Tisch mit Büchern, Heften, Papieren, Schreibzeug und ein leerer Stuhl. Der Denkmalkörper und die Schrifttafeln sind aus Baubronze, die Objekte im Innern sind im cire perdue-Verfahren in Bronze gegossen, der tragende Baukörper ist ein Fachwerk aus Edelstahl.



DAS DENKMAL IM ÖFFENTLICHEN RAUM

Wie schon in der Antike, wo Gesetze in heiligen Bezirken als verbindlich zur Schau gestellt wurden, was dem öffentlichen Raum, der Allmend entspricht, sollen die vier wichtigsten Menschenrechtserklärungen von 1776 bis heute - unbestrittene Grundlage jeder Demokratie - im öffentlichen Raum wirken.



AARAU

Peter Ochs hat am 12. April 1798 in Aarau die Helvetische Republik ausgerufen, er verfasste deren Konstitution und hat die Menschenrechte in der Schweiz eingeführt. Aarau war kurzzeitig Hauptstadt der Helvetischen Republik und nach der Befreiung von der Herrschaft Berns ein geistiges und politisches Zentrum der Aufklärung in der Schweiz.

In der Eröffnungsausstellung Demokratie! im erweiterten Stadtmuseum in Aarau begrüsste Bettina Eichins Skulptur Menschenrechte im Bundeshaus 1776,1789,1791 von März 2015 bis Juli 2016 die BesucherInnen. Diese Skulptur ist eine Tochter des Menschenrechtsdenkmals und gehört den Eidgenössischen RätInnen. Die drei Texte aus Bronze für das Basler Denkmal waren Schlusspunkt des Skulpturenwegs Grauholz und standen im Jubiläumsjahr 1998 im in einem provisorischen Rahmen vor den Drei Eidgenossen im Foyer des Bundeshauses. In einer Petition von Nationalrat und Ständerat wünschten die ParlamentarierInnen für diese Texte vor den Drei Eidgenossen einen festen Rahmen aus Bronze für das Bundeshaus. Es entstand die Skulptur Menschenrechte im Bundeshaus 1776,1789,1791, sie stand von 2000 - 2005 in der Galerie des Alpes im Bundeshaus, bis zur Totalrenovierung des Bundeshauses. Dann fiel sie einem Verdikt der Eidgenössischen Kunstkommission zum Opfer und wurde ausgelagert. 2007 - 2008 war sie in der Skulpturhalle Basel, 2013 - 2015 in der Université Fribourg Pérolles zu 50 Jahre Schweiz im Europarat und anschliessend von 2015 - 2016 in der Ausstellung Demokratie! in Aarau zu Gast. Nach Aarau ist die Skulptur Menschenrechte im Bundehaus 1776,1789,1791, 6m lang und 3 m hoch, trotz intensiver Bemühungen in einem Kunstlager des Bundes gelandet, obschon der Standort Galérie des Alpes vertraglich zwischen Bund und Künstlerin festgelegt ist.

Während die Skulptur im Stadtmuseum in Aarau stand, kam auch das Menschenrechtsdenkmal, das fast fertiggestellt eingelagert ist, zur Sprache und es wurden Überlegungen angestellt, dass es mit seinen ersten Menschenrechtstexten thematisch sehr gut zu Aarau als erster Hauptstadt der Helvetischen Republik passen würde. Bettina Eichin möchte das Menschenrechtsdenkmal als künstlerische Urheberin, Eigentümerin und Treuhänderin der bisherigen Stifterinnen und Stifter gerne der Bevölkerung von Aarau schenken, wenn sich hier ein historisch und städtebaulich stimmiger Standort findet.



URSPRUNG DES DENKMALS

Zum Jubiläumsjahr 1998 - gefeiert wurden 200 Jahre Helvetik und 150 Jahre Bundesstaat - konstituierte sich 1989 um den Historiker und Publizisten Markus Kutter (1925-2005) die Peter Ochs Gesellschaft Basel, die sich zum Ziel setzte, den verfemten Basler Revolutionär, Jurist, Diplomat, Staatsmann, Reformer und Philanthrop Peter Ochs (1752-1821) durch historische Recherche und Aufarbeitung von Archivmaterial zu rehabilitieren. Zum Jubiläumsjahr 1998 sollte diese Arbeit mit einer Reihe von Publikationen, Veranstaltungen, Ausstellungen und einem Denkmal für Peter Ochs, für die Aufklärung und die Menschenrechte abgeschlossen sein.

1993 wurde Bettina Eichin über diese Pläne informiert und von Markus Kutter um einen Entwurf gebeten, der 1994 von der Peter Ochs Gesellschaft begrüsst und in der Ausstellung zum Basler Frieden im Klingentalmuseum 1995 erstmals öffentlich gezeigt und diskutiert wurde. Markus Kutter als Hauptsponsor des Denkmals beauftragte Bettina Eichin 1997 mit der Arbeit zu beginnen, um das Denkmal als Rohbau im Rahmen der Helvetik Ausstellung ab Januar 1998 in einem Hof des Museums der Kulturen zu zeigen. Das Denkmal wurde von der Regierung ins Programm für das Jubiläumsjahr 1998 aufgenommen. Vorgesehen war als Standort ein auslaufendes Wegdreieck auf dem Petersplatz, wo nach der unblutigen Basler Revolution im Januar 1798 die neue Verfassung beschworen, die Vereinigung mit der Landschaft und ihre Befreiung von der Leibeigenschaft gefeiert wurden. Dieser Standort liess sich trotz jahrelanger Bemühungen eines engagierten Komitees nicht durchsetzen. Dreimal wurde das Menschenrechtsdenkmal mit einer Zweidrittelmehrheit im Grossen Rat befürwortet und das Baudepartement aufgefordert, einen angemessenen Standort bereitzustellen, aber andere vorgeschlagene und untersuchte Standorte erwiesen sich aus historischen, inhaltlichen, ästhethischen, städtebaulichen oder sonstigen Gründen für nicht geeignet, sie wurden dem Thema Menschenrechte nicht gerecht oder konnten den StifterInnen und der Künstlerin nicht zugemutet werden. 



DIE ENTWURFSIDEE

Bettina Eichin: Zu den Feiern 200 Jahre Französische Revolution 1989 war ich in Paris. Beeindruckt versuchte ich mich am Text La Déclaration des Droits de l´Homme et du Citoyen und merkte schon bei der Überschrift, dass diese Rechte nur für Männer geschrieben waren und sich ein historischer Text nicht einfach so für beide Geschlechter umschreiben und übersetzen lässt. Um das Thema frustriert abzuschliessen, schrieb ich in roten Lettern aus Wachs La Déclaration des Droits de l´Homme et de la Citoyenne an die Wand in meiner Werkstatt. Das sah die Historikerin und Journalistin Ursa Krattiger und sagte vergnügt, Olympe de Gouges (1748-1793) lässt grüssen! Sie hatte im Radio gerade eine Sendung über die Revolutionärin und Verfasserin der Déclaration des Droits de la Femme et de la Citoyenne von 1791 gemacht und schckte mir eine eben erschienene Biographie über Olympe de Gouges. Da wurde mir blitzschnell klar, dass ich jetzt dank dieses Textes mit den Menschenrechten von 1789 arbeiten kann, es fehlte nur noch der erste Text, das amerikanische Vorbild der französischen Menschenrechtstexte, das fälschlicherweise bei Politikern und sogar Historikern unter Amerikanische Unabhängigkeitserklärung lief. Ich suchte lange, bis der amerikanische Schwiegersohn einer Freundin dann den gesuchten Text, die Virginia Bill of Rights, einige Monate älter als die Unabhängigkeitserklärung, aus Amerika mitbrachte. Benjamin Franklin persönlich überreichte Peter Ochs am 6. Sept.1784 in Passy bei Paris die erste französische Übersetzung dieser amerikanischen Texte. Sie und die Menschenrechtstexte der französischen Revolution werden ihn Jahre später für die Niederschrift der Verfassung der Helvetischen Republik inspiriert haben.

Eben diese drei ersten Menschenrechtstexte für das Basler Denkmal, Buchstaben für Buchstaben in Wachs für den Bronzeguss cire perdue modelliert, wurden im Rahmen des Skulpturenwegs Grauholz als dessen Abschluss im Bundeshaus unter den Drei Eidgenossen vom März bis Oktober 1998 provisorisch in einem Holzrahmen gut beleuchtet gezeigt. Das gefiel den ParlamentarierInnen so gut, dass sie vor Ende der Ausstellung im Oktober 1998 eine Petition formulierten, sie möchten diese Texte im Bundeshaus an Ort und Stelle vor demn Drei Eidgenossen behalten, ich möge einen festen Rahmen aus Bronze dafür schaffen. Das Basler Denkmalkomitee gab die Bronzetexte frei, es entstand die Skulptur Menschenrechte im Bundeshaus 1776,1789,1791, die im Jahr 2000 von Bundesrätin Ruth Dreifuss den ParlamentarierInnen im Bundeshaus in der Galérie des Alpes übergeben wurde. Der vom Parlament gewünschte ursprüngliche Standort im Foyer vor den Drei Eidgenossen wurde von den Parlamentarischen Diensten abgelehnt, weil es sich um "ausländische Texte" handle und weil an dieser Stelle in der Wintersession ein Weihnachtsbaum stehe.

Anstelle der Bronzetexte bekam das Denkmal gravierte Wandzeitungen, wie sie zur Zeit der französischen Revolution zur politischen Auseinandersetzung in Paris üblich waren. Auch Olympe de Gouges benutzte dieses Medium. 

Die Anfrage von Markus Kutter 1993 für ein Denkmal für den Aufklärer und Revolutionär Peter Ochs kam für mich gerade zum richtigen Zeitpunkt: Mit dem Text von Olympe de Gouges wurde aus einem Denkmal für einen Mann, der die Menschenrechte in der Schweiz einführte, ein Denkmal für die Menschenrechte - mit dem ersten Text in der Menschheitsgeschichte, der 1791 die Frau politisch, gesellschaftlich, juristisch und wirtschaftlich dem Mann gleich stellt und mit den Worten Femme reveille-toi! endet - dem am öftesten gestifteten geflügelten Wort aus den drei historischen Menschenrechtstexten. Olympe de Gouges wurde 1793 auf dem Schafott hingerichtet.

1998 war auch das Jubiläumsjahr 50 Jahre Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der UNO - es war naheliegend und mir ein Anliegen, dass auch die UNO Menschenrechtserklärung Platz auf dem Denkmal findet. Mit der Neuaufteilung der Texte und ihrer Gravur auf Tafeln - für die Gravur habe ich eine enge aber gut leserliche Schrift gestaltet - sind alle vier wesentlichen Menschenrechtserklärungen von 1776 bis heute mit ihren Übersetzungen auf Deutsch auf dem Denkmal vereint. Aus dem Denkmal für den Revolutionär Peter Ochs wurde 1998 das Menschenrechtsdenkmal.

 

  

FINANZIERUNG

Im Jahr 1997 wurde mit einer Aktion Buchstaben- und Wörterstiften aus den Menschenrechtstexten für das Denkmal begonnen, bei unzähligen Veranstaltungen wurden die Texte verteilt, so kamen über 110.000 sfr. zusammen. Stifterinnen und Stifter konnten ihre Unterschrift für das Denkmal hinterlassen und mit Urkunden Wörter, ganze Artikel verschenken, auch Beschenkte konnten unterschreiben. Über 600 Stifterinnen und Stifter hinterliessen über 400 Unterschriften für das Denkmal. Diese erfolgreiche Aktion machte die Texte bekannt und soll auch für den künftigen Standort weitergeführt werden. Markus Kutter hat den Metallbau gestiftet, Bettina Eichin das Künstlerhonorar. Die bisher gestiftete Summe beträgt ca. 400.000 sfr.

Das Denkmal ist nahezu fertiggestellt, in Basel und Münchenstein gelagert und wartet auf den idealen Standort und seine Vollendung. Alles was eingelagert ist, ist bezahlt. Die 6 Tafeln Menschenrechtstexte 1776, 1789, 1791 in den Originalsprachen und mit deutscher Übersetzung sind bereits graviert. Es fehlen noch sechs Tafeln, eine die das Denkmal am künftigen Standort allgemein und lokal erklärt, die Tafel mit den Unterschriften und die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der UNO von 1948 mit Präambel. Weiter fehlen das Dachelement mit dem Lichtdreieck, der Stuhl für den Innenraum des Denkmals, Patinierung und Kolorierung der Texttafeln, Fundament, Beleuchtung, Transporte, Montage. Je nach Standort wird mit zusätzlichen Kosten von 120.000 - 140.000 sfr. gerechnet.